SSCC-18 (NVE) und das GS1-Transportetikett: Paletten richtig kennzeichnen
Geschrieben von Tomasz Lichosik
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Irgendwo in den Lieferantenrichtlinien Ihres Kunden steht ein Satz wie dieser: „Jede Palette muss ein GS1-Transportetikett mit einer eindeutigen SSCC tragen." Wenn dieser Satz Sie zur Suche gebracht hat: Dieser Leitfaden behandelt alles, was an der Warenannahme tatsächlich geprüft wird — was die SSCC ist, wie ihre 18 Ziffern aufgebaut sind, wie das Etikett gegliedert ist und welche Handvoll Fehler dazu führt, dass Paletten in Quarantäne landen oder abgewiesen werden.
Was eine SSCC eigentlich ist
Der Serial Shipping Container Code (SSCC) — im deutschsprachigen Raum als Nummer der Versandeinheit (NVE) bekannt — ist eine 18-stellige Nummer, die genau eine logistische Einheit identifiziert: eine Palette, einen Rollcontainer, ein Paket, einen Container. Stellen Sie sie sich wie ein Kfz-Kennzeichen vor: Sie sagt nichts über den Inhalt aus, sondern nur genau diese Einheit und keine andere.
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Eine GTIN beantwortet die Frage „Welches Produkt ist das?" — jeder identische Karton trägt dieselbe. Eine SSCC beantwortet „Welche Versandeinheit ist das?" — zwei Paletten mit identischem Inhalt bekommen trotzdem zwei verschiedene SSCCs.
Auf dem Etikett wird die SSCC in einem GS1-128-Barcode mit dem Application Identifier (00) codiert.
Anatomie der 18 Ziffern
Eine SSCC besteht aus vier Teilen:
| Teil | Länge | Zweck |
|---|---|---|
| Reserveziffer | 1 Ziffer | Frei wählbare Ziffer (0–9) — verzehnfacht Ihren Seriennummernvorrat |
| GS1-Unternehmenspräfix | 4–12 Ziffern | Wird von Ihrer nationalen GS1-Organisation vergeben; identifiziert Ihr Unternehmen |
| Seriennummer | füllt auf 17 Ziffern auf | Ihre eigene fortlaufende Nummer der Einheit |
| Prüfziffer | 1 Ziffer | Modulo-10-Prüfziffer über die ersten 17 Ziffern |
Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen. Erstens: Eine SSCC lässt sich nicht erfinden — das Unternehmenspräfix stammt aus der GS1-Mitgliedschaft, genau wie bei GTINs. Falls Sie noch keines haben, beginnen Sie mit unserem Leitfaden zum GS1-Unternehmenspräfix. Zweitens: Je kürzer Ihr Präfix, desto mehr Seriennummern stehen zur Verfügung; selbst das kleinste Kontingent liefert Zehntausende pro Reserveziffer — die Sorge „Reichen die Nummern?" erledigt sich damit für die meisten Unternehmen.
Die Prüfziffer verwendet denselben Modulo-10-Algorithmus wie die GTIN-Prüfziffer. Berechnen Sie sie nicht von Hand — eine falsche letzte Ziffer ist einer der häufigsten Gründe, warum ein ansonsten perfektes Etikett an der Verifizierung scheitert.
Das Layout des GS1-Transportetiketts
Das Standardetikett (meist A6, 105 × 148 mm, oder A5 bei mehr Daten) liest sich von oben nach unten in drei Zonen:
- Freie Zone — Firmenname, Logo, Lieferadresse. Außer Lesbarkeit keine Vorgaben.
- Klartextzone — die menschenlesbare Interpretation aller Barcodes des Etiketts, damit die Daten notfalls manuell erfasst werden können, wenn der Scanner versagt.
- Barcodezone — die GS1-128-Symbole. Die SSCC (00) steht immer im untersten Barcode.
Eine sortenreine Palette trägt über der SSCC oft einen zweiten GS1-128 mit dem Inhalt: (02) die GTIN der enthaltenen Kartons, (37) deren Anzahl, und wo die Rückverfolgbarkeit es verlangt auch (10) Charge und (17) Mindesthaltbarkeitsdatum. Was diese Identifier bedeuten, erklärt unser Leitfaden GS1-128 vs. Code 128.
Auch die Platzierung ist genormt: Die Unterkante des Barcodes soll zwischen 400 und 800 mm über der Standfläche der Palette liegen, mindestens 50 mm von jeder senkrechten Kante entfernt, und GS1 empfiehlt, zwei benachbarte Seiten zu etikettieren — eine kurze und eine lange —, damit der Code unabhängig von der Einlagerung scannbar bleibt.
Warum Warenannahmen darauf bestehen
Die SSCC ist der Schlüssel, der die physische Palette mit den elektronischen Belegen verknüpft. Bevor der Lkw eintrifft, senden Sie ein Lieferavis (EDI DESADV, auch „ASN"), das jede SSCC samt Inhalt auflistet. An der Rampe verrät ein einziger Scan des „Kennzeichens" dem System des Empfängers alles über die Palette — kein Zählen, kein manueller Abgleich mit dem Lieferschein. Deshalb wird eine falsche oder doppelte SSCC genauso ernst genommen wie eine falsche Menge: Sie bricht den automatisierten Wareneingang für die gesamte Einheit.
SSCCs vergeben, ohne sich die Finger zu verbrennen
- Eine Einheit, eine SSCC. Jede Palette bekommt eine frische Nummer, auch wenn zehn Paletten identisch sind. Palette nach dem Packen umgebaut? Neue SSCC.
- Niemals zu früh wiederverwenden. GS1 verlangt mindestens 12 Monate, bevor eine Seriennummer erneut vergeben werden darf; viele Branchen (insbesondere Pharma) erwarten deutlich längere Fristen. Fortlaufende Vergabe aus einem persistent gespeicherten Zähler ist das einfache, sichere Muster.
- Keine Bedeutung in die Seriennummer codieren. Lager-, Linien- oder Datumslogik in den Ziffern sprengt früher oder später jeden Rahmen. Die Seriennummer ist nur eine Nummer; die Bedeutung lebt in Ihren Systemen und im Lieferavis.
Vier Fehler, die Paletten scheitern lassen
- Wiederverwendete oder doppelte SSCCs — meist ein nachgedrucktes Etikett, das auf eine zweite Palette geklebt wird. Das System des Empfängers sieht dieselbe Einheit zweimal ankommen.
- Falsche Prüfziffer — von Hand übertragene Nummern oder Tabellenformeln, die still eine führende Null verschlucken. Immer generieren, nie abtippen.
- AI-Formatfehler — die Klammern wörtlich in die Striche codieren oder das FNC1-Zeichen weglassen, sodass
00...als einfacher Text statt als SSCC gescannt wird. Jeder GS1-konforme Verifizierer erkennt das sofort. - Druckqualität und Größe — der SSCC-Barcode braucht eine X-Dimension von etwa 0,5–0,94 mm und mindestens 32 mm hohe Striche. Wer ihn auf ein kleines Etikett schrumpft oder mit verschlissenem Thermodruckkopf druckt, erhält einen Code, der am Schreibtisch scannt und am fahrenden Stapler versagt. Die Hardwareseite behandelt unser Leitfaden für Thermodruck.
Die Kurzfassung
Eine SSCC-18 (NVE) ist das eindeutige Kennzeichen einer logistischen Einheit: Reserveziffer + GS1-Unternehmenspräfix + Seriennummer + Prüfziffer, codiert in GS1-128 mit AI (00) im untersten Bereich eines dreizonigen Transportetiketts. Das Präfix kommt von GS1, Seriennummern werden fortlaufend vergeben, mindestens ein Jahr lang nicht wiederverwendet, und die Prüfziffer berechnet die Software.
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