ISBN-Barcode für Bücher: Woher er kommt und wie Sie ihn richtig drucken
Geschrieben von Tomasz Lichosik
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Wer ein Buch fertigstellt, stößt irgendwo zwischen letztem Korrekturdurchgang und Druckfreigabe auf ein seltsames neues Problem: Die Rückseite des Umschlags braucht einen Barcode, und niemand im Team hat je einen erstellt. Die Druckerei fragt danach, der Vertrieb verlangt ihn, und keine Buchhandlung stellt ein Taschenbuch ohne ihn ins Regal. Die gute Nachricht: Der Buch-Barcode gehört zu den am stärksten standardisierten Objekten im Handel — wer die drei Schritte kennt, braucht nur Minuten.
Diese Schritte sind: eine ISBN besorgen, verstehen, dass ein ISBN-Barcode schlicht ein EAN-13 ist, und ihn spezifikationsgerecht drucken. Gehen wir sie durch.
Schritt 1: Die ISBN besorgen
Die ISBN (Internationale Standardbuchnummer) ist eine 13-stellige Kennung für eine bestimmte Ausgabe eines Buches. Taschenbuch, Hardcover und E-Book desselben Titels brauchen jeweils eine eigene ISBN.
ISBNs werden nicht von Barcode-Firmen verkauft, sondern von der offiziellen ISBN-Agentur des Landes vergeben, in dem der Verlag sitzt:
- Deutschland: die ISBN-Agentur der MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels), online unter isbn-shop.de — kostenpflichtig, einzeln oder im Paket.
- Österreich: ISBN-Agentur im Hauptverband des Österreichischen Buchhandels.
- Schweiz: Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV).
- USA: Bowker (myidentifiers.com); Großbritannien: Nielsen ISBN Agency.
Selfpublishing-Plattformen verwässern das Bild etwas. Amazon KDP weist Ihrem Taschenbuch eine kostenlose ISBN zu — dann steht allerdings Amazon als Verlag im Register, und diese ISBN kann das Buch nicht zu anderen Händlern begleiten. Wer über eine Plattform hinaus verkaufen will, behält mit einer eigenen ISBN die Kontrolle.
Jede moderne ISBN beginnt mit dem Präfix 978 oder 979 — dem sogenannten "Bookland"-Ländercode. Dieses Detail wird im nächsten Schritt wichtig.
Schritt 2: Ein ISBN-Barcode ist einfach ein EAN-13
Es gibt keine spezielle "Buch-Symbologie". Der Barcode auf der Buchrückseite ist ein ganz normaler EAN-13 — dieselbe Symbologie wie auf einer Suppendose —, der die 13 Ziffern der ISBN codiert. Das ISBN-13-Format wurde bewusst EAN-kompatibel entworfen, die Umwandlung ist also ein Nicht-Ereignis: Die Ziffern Ihrer ISBN sind die Ziffern des Barcodes.
Zwei Punkte sollten Sie prüfen:
- Die Prüfziffer muss stimmen. Die 13. Stelle der ISBN ist eine Prüfziffer, die aus den ersten zwölf berechnet wird. Jeder brauchbare Generator validiert sie; "korrigiert" Ihr Generator die letzte Ziffer, haben Sie die ISBN falsch abgetippt — halten Sie an und prüfen Sie nach, denn ein Barcode mit falscher ISBN ist wertlos.
- Bindestriche verschwinden. ISBNs werden für Menschen mit Bindestrichen geschrieben (978-3-16-148410-0). Der Barcode codiert ausschließlich die Ziffern.
Wie sich EAN-13 zu seinem amerikanischen Verwandten verhält, haben wir in EAN-13 vs. UPC-A verglichen.
Der Preis-Zusatzcode (EAN-5)
Auf dem US-Markt sieht man rechts neben dem Hauptsymbol oft einen kleineren, 5-stelligen Barcode. Das ist ein EAN-5-Zusatz mit der unverbindlichen Preisempfehlung: 51999 bedeutet 19,99 $ (die führende 5 ist der Währungscode). 90000 heißt "kein Preis angegeben". Britische Verlage haben den Zusatz weitgehend aufgegeben, und in Kontinentaleuropa — auch im deutschsprachigen Raum — war er nie üblich. Solange Ihr Vertrieb ihn nicht ausdrücklich verlangt, lassen Sie ihn weg.
Schritt 3: So drucken, dass er scannt
Buch-Barcodes scheitern aus banalen, vermeidbaren Gründen. Die Vorgaben sind einfach:
- Größe. Die Nenngröße von EAN-13 beträgt 37,29 × 25,93 mm. Skalieren dürfen Sie zwischen 80 % und 200 %; unter 80 % bekommen günstige Laserscanner an der Buchhandlungskasse Probleme. Verkleinern Sie den Code nicht, "damit er ins Layout passt".
- Ruhezonen. Lassen Sie beidseitig der Balken freien Raum — bei 100 % mindestens 3,63 mm links und 2,31 mm rechts. Ein Rahmen, ein Hintergrundmuster oder Covergrafik in dieser Zone ist der häufigste Scan-Killer. Mehr dazu in unserem Leitfaden zu Ruhezonen.
- Kontrast. Schwarze Balken auf weißem oder sehr hellem Feld. Bei dunklem Cover setzen Sie den Barcode in ein weißes Rechteck — genau deshalb hat fast jedes Buch eines. Drucken Sie Balken nie in Rottönen; Laserscanner lesen Rot wie Weiß.
- Vektor statt Screenshot. Geben Sie der Druckerei ein SVG oder PDF, kein hochskaliertes PNG von einer Website. Neu gerasterte Balken verschieben Breiten — und die Breite ist die Information.
- Platzierung. Unten auf der Rückseite, meist rechts unten oder mittig, mit einigen Millimetern Abstand zur Beschnittkante, damit die Schneidemaschine keinen Balken kappt.
Der Fünf-Minuten-Ablauf
- ISBN bei der nationalen Agentur kaufen bzw. beantragen.
- Die 13 Ziffern (ohne Bindestriche) in einen EAN-13-Generator eingeben.
- Prüfen, ob die erzeugte Prüfziffer mit Ihrer ISBN-Bestätigung übereinstimmt.
- Als SVG oder PDF in 100 % Größe oder größer exportieren.
- In ein weißes Feld auf der Rückseite setzen, Ruhezonen freihalten, in den Druck geben.
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